Güster Tag 12

Der heutige Tag war der Ausgleich für den gestrigen. So macht wandern auch wieder Spaß. Meine Funk-Armbanduhr entschied sich heute den Blödsinn mit der Zeitumstellung nicht mitzumachen. Zum Glück habe ich mich durch mein altes Handy wecken lassen, das ich auf 6 Uhr gestellt hatte. So wurde ich wie geplant um 7 geweckt.
Beim Frühstück begegnete ich dann noch drei Wanderern, die auch auf dem E1 unterwegs sind. Sie laufen aber immer mal wieder am Wochenende ein paar Etappen. O-Ton: “wenn du nicht andauernd Marathons laufen würdest, hätten wir auch mehr zeit zum wandern!“
Sie erzählten mir auch von einer Person, die im letzten Jahr die Tour in 49 Tagen geschafft hat. Diese Person hat aber zwischendurch 10 Tage Pause gemacht, was aber trotzdem eine außergewöhnliche Leistung ist.
Da das Wetter heute weiterhin gut und nicht zu warm war, kann man von optimalem Wanderwetter sprechen. Die Blasen machten auch nicht groß auf sich aufmerksam und so konnte ich die Landschaft genießen. Die bestand heute zum größten Teil aus Buchen-Eichen-Mischwäldern. Ab Mölln folgte ich zusätzlich noch einem kleinen Fluss mit vielen Seen. Die Wege waren fast durchgehend schöne Waldwege. Den Abschluss machte dann noch ein kleiner Kiefernwald. Mölln ist durch einen historischen Ortskern auf jeden Fall sehenswert. In Mölln vereinigte sich mein Weg mit dem E9, dem europäischen Küstenweg. Dieser wird jetzt bis Hamburg parallel laufen. Dafür ist der E6, der mich von Anfang an begleitet hat kurz vor Güster abgebogen.
Zuletzt noch etwas zur Bildverarbeitung mit der ich mich in der letzten Zeit im Studium beschäftigt habe. Für einen Computer ist es gar nicht so einfach leicht veränderte Strukturen wiedererkennen. Heute konnte ich sehen, dass auch das menschliche Auge gerne in gewohnten Strukturen denkt. Ein um 45 Grad gedrehtes Wanderzeichen hätte ich fast übersehen.

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Eutin Tag 08

Heute gibt es mal wieder Nachrichten aus einem Ort in dem ich gar nicht übernachten wollte. Bei mir hat sich heute aber tatsächlich der Verstand durchgesetzt. Heute morgen auf dem Weg von derJuHe zurück nach Plön stellte ich fest, dass dieser nicht so lang war, wie er mir gestern Abend vorkam. Auch der Gang über das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt schmerzte gar nicht mehr. Das Wetter war heute endlich mal sonnig. Am Anfang gab es zwar trotz Sonne noch etwas Nieselregen, aber zugleich war es so warm,  dass ich im kurzärmligen Hemd laufen konnte.  Auch die Strecke war ganz schön und führte an verschiedenen Seen entlang. Leider war sie länger als erwartet. Zu meinen ursprünglichen Ziel Schönwalde wären es 50 km gewesen (da habe ich wohl bei der Planung den Weg falsch getrackt). Ich hab zwar auf der Strecke immer wieder mit dem Gedanken gespielt durchzulaufen, aber das wäre schon allein zeitlich problematisch gewesen. Eine defekte (laut Schild, korrekt wäre gewesen eine nicht vorhandene) Brücke, die mir einen weiteren Umweg von ca. 1,5 km bescherte (da ich nicht schwimmen wollte), gab dann den Ausschlag für die Entscheidung in Eutin zu bleiben. Da es hier zwei Varianten des E1 gibt, bedeutet das noch nicht einmal eine Verzögerung. Schönwalde liegt nämlich nördlich von hier und hätte das Laufen eines  Umwegs bedeutet. Es existiert aber auch eine direkte Verbindung zum nächsten Ort der Route. Wie schon öfter erwähnt, ist der E1 nicht immer eindeutig: Ich befinde mich seit der dritten Etappe auf der Ost-Variante des Weges, die parallel zum E6 verläuft. Die West-Route ist ca. 50 km  kürzer. Beide Wege treffen sich wieder in Hamburg. Das ist wohl auch der Grund warum so viele verschiedene Längen-Angaben (ich habe welche von 1700 bis 1900 gefunden) existierten. Deprimierend ist es nur, wenn in Kiel in der Innenstadt der E1 nach Flensburg zurück mit 150 km angegeben ist und hier in Eutin gute 70 km weiter ein Schild mit ca. 170. Ich gehe davon aus, das ich, sollte ich in Konstanz ankommen gut 2000 km mit dem Rucksack zurückgelegt habe, da man sich ja doch mal verläuft und die Unterkünfte auch nicht immer direkt am Weg liegen.
Da ich Eutin nicht eingeplant hatte, hatte ich hier auch keine Unterkunft rausgesucht. Die Touristen-Info war aber auch Zimmervermittlung und die haben mir ein privates Zimmer für 20 Euro vermittelt. Da ich hier alleine bin, habe ich eine komplette Einliegerwohnung für mich. Durch den Luxus einer Küche kann ich sogar richtig kochen. Ich war gerade schon einkaufen und werde gleich aus Paprika, Reis und Champignon etwas kochen. Das ist mal ne Abwechslung zu den Tüten-Gerichten, die ich auf dem Trangia-Kocher mache. Jeden Tag essen zu gehen wird dann doch zu teurer, sodass ich das nur ab und zu mache.